Wir haben in unserem Schlafzimmer einen Raspberry PI, der rückseitig an einen kleinen nicht-smarten Fernseher angeschlossen ist. Obwohl das  LibreElec des Raspi in der Lage ist, von Live-TV und PVR über Musik, Filme und TV-Serien alles mögliche abzuspielen, nutzen wir ihn normalerweise nur für die Wiedergabe von Hörspielen oder Audiobooks. Die Audiowiedergabe läuft über ein Paar kleiner USB-stromversorgter Aktivlautsprecher die an der 3,5mm Klinkenbuchse des Raspi angeschlossen sind (der Klang der verbauten Fernseher-Lautsprecher ist ohnehin minderwertig). Das hat in Kombination mit einer KODI Fernsteuerungs-App auf einem vormals ausgedienten Android-Tablet auch den Effekt, dass wir den Fernseher getrost ausgeschaltet lassen können für alles, was ausschließlich Audio benötigt. Und das Schlafzimmer kann schön dunkel bleiben. 

Nun ja – zumindest bis neulich.

Wie sich herausstellte, hatte der kleine Raspi in warmen Sommernächten das Problem zum Überhitzen zu neigen. Das lag in erster Linie aber am verwendeten Gehäuse und der Art und Weise wie/wo dieses montiert war. Ich beschloss daher, das alles einmal ordentlich zu überarbeiten und, wo ich gerade dabei war, die Verkabelung aufzuräumen. Die ganze Aktion diente also nicht nur zur Verbesserung der Kühlung sondern auch des WAF. Das hässliche schwarze Gehäuse tauschte ich gegen das hübsche weiße eines Raspi 2 den ich für eine geplante RetroPie Konsole noch herumliegen hatte. Danach sah das ganze schon viel hübscher aus (obwohl es die meiste Zeit unsichtbar sein wird) und das Temperaturproblem war gelöst. Alles in allem eine feine Sache mit überschaubarem Aufwand. Ein voller Erfolg also.

Es werde Licht

Dann wurde es Nacht und wir gingen zu Bett. Und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, was für eine unfassbare Menge Licht aus so kleinen Funzel-LEDs heraus brechen kann wenn sie von Dunkelheit umgeben sind: Das neue weiße Gehäuse verwandelte sich in eine grün-rot flackernde Glühbirne und die beiden LED an der RJ45 Netzwerkbuchse hätten jeder Light Show zur Ehre gereicht. Na toll.

Am nächsten Tag überlegte ich folglich, was sich da machen ließe. Panzerband und Lack? Klar, geht immer – aber nur wenn alle Stricke reißen. Es musste aber doch eine „smarte“ Methode geben um diese LEDs zum Schweigen zu verdammen. Sei es mittels eventuell existierender Konfigurationseinstellungen oder notfalls auch mit zusätzlicher Software. 

Kollege Internet hat mich dann auch ziemlich schnell eingewiesen: Die LED für Spannung und Aktivität lassen sich grundsätzlich deaktivieren, wobei die genauen Maßnahmen sich abhängig vom auf dem Raspberry eingesetzten Betriebssystem leicht unterscheiden. Aber.

Die LEDs der Netzwerkbuchse

Was die LEDs an der Netzwerk (LAN) Buchse angeht bestätigte sich leider mein Bauchgefühl. Um diese zu deaktivieren bedarf es leider einiger tiefergehender Eingriffe in die Softwarearchitektur des Raspberrys. Ohne lange zu fackeln habe ich mich hier für die Notlösung entschieden und zwei Stückchen „Klebeknete“ im Sub-Erbsengrößenbereich auf die lästigen Flackerlinge gepappt:

Picture of Raspberry Ethernet socket with glue dots applied on top of the socket's LEDs

Hat sich ausgeflackert, Du kleiner…ähm… Raspi.

Egal wie man sie nennt – Poster-Buddies, Kleben-statt-Bohren, Powerknete… ich mag die Dinger. Sie sind so… vielseitig.

LEDs für Spannung + Aktivität

Da sich diese beiden kleinen Kollegen auf der Platine des Raspi (also innerhalb des Gehäuses) befinden, hätte mein Ansatz mit der Klebeknete das Öffnen und Wiederverschließen des bereits „final“ montierten Gehäuses zur Folge gehabt. Alternativ nur noch das Einwickeln des Gehäuses in Panzerband, was allerdings dem gewünschten Kühleffekt wahrscheinlich irgendwie nicht zuträglich gewesen wäre. Aber glücklicherweise war weder das eine noch das andere nötig.

Laut der Ergebnisse meiner Websuche war die übliche Vorgehensweise scheinbar, dass man bestimmten Inhalt in bestimmte Konfigurations- (Text-) Dateien schreiben musste:

echo none > /sys/class/leds/led0/trigger
echo none > /sys/class/leds/led1/trigger
echo 0 > /sys/class/leds/led0/brightness
echo 0 > /sys/class/leds/led1/brightness

Und anscheinend hatte das bei jedem (Neu-) Start des Raspi zu erfolgen. 
Bei einigen Distros wurde das mit sudo ergänzt und in die Datei /etc/rc.local geschrieben. Meinem LibreElec war das aber ziemlich schnurz, also verwarf ich diesen Ansatz, verfeinerte die Suchbegriffe für eine neue Websuche und stolperte schließlich über den folgenden Thread:

https://forum.libreelec.tv/thread/4543-turn-off-led-lights-rasp-pi-3/

Aha. Die benutzten eine Datei namens .config/autostart.sh um die nötigen Anweisungen in die entsprechenden Dateien zu schreiben. Obwohl der letzte Kommentar in der Diskussion (aus 2017) zwar behauptete, dass dies bei Raspi 3 Modellen nicht funktionieren würde entschied ich mich für „Versuch macht kluch“ und hoffte, dass diese Inkompatibilität zwischenzeitlich gelöst war. 

Mittels SSH verband ich mich also mit dem Raspi. Dessen Partition, auf der sich die besagte Datei befindet, wird standardmäßig read-only (also nur lesend) eingebunden. Ich musste sie also erst mal zum Schreiben „remounten“. Und dann die Datei im Texteditor laden:

mount -o remount,rw /flash
nano .config/autostart.sh

Jetzt die aus verschiedenen Suchergebnissen zusammengetragenen Anweisungen kopieren und im Texteditor einfügen:

echo none > /sys/class/leds/led0/trigger
echo none > /sys/class/leds/led1/trigger
echo 0 > /sys/class/leds/led0/brightness
echo 0 > /sys/class/leds/led1/brightness

Nach Speichern (strg+o) und Schließen (strg+x) des Texteditors noch die Partition ordnungshalber wieder read-only (nur-lesend) einbinden und schließlich den Raspi neu starten:

mount -o remount,ro /flash
reboot

Und siehe da – man sieht nix! Die rote Spannungs- und die grüne Aktivitäts-LED bleiben dunkel. Herrlich.

Aber aufgepasst: Das hier ist keine eierlegende Wollmilchlösung. Vielleicht funktioniert es auch nur genau mit meiner Konfiguration:

  • Raspberry PI 3 Model B+
  • libreelec 8.2.5 (Linux kernel 4.9.80)

Wenn Ihr (ähnliches, gleiches) Problem damit nicht gelöst wird hilft der Artikel vielleicht/hoffentlich für’s Herumexperimentieren. Viel Erfolg!


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Bild- und Urheberrechtsnachweise (siehe auch hier):